Was bedeutet das Thema „NVE“ überhaupt und warum soll es für mich wichtig sein?

Anwender der JTL Warenwirtschaft kommen zu einem großen Teil aus der Handelsbranche. Davon sind die meisten wiederum reine Reseller, die ihre Ware von Lieferanten beziehen, einige sind aber auch selbst Lieferant in der Geschäftsbeziehung und verkaufen Ihre Artikel, ob als Hersteller oder Großhändler, an Ihre Kunden.

Und für genau diese Gruppe der JTL-WaWi Anwender wollen wir das Thema NVE mit diesem Artikel genauer beleuchten.

Auch für die Kunden spielt dieses Thema natürlich eine Rolle, aber mit anderen Anforderungen an ein Warenwirtschaftssystem, weshalb wir das Thema für die beiden großen Gruppen getrennt betrachten möchten.

Zunächst vorweg, was bedeuten die drei großen Buchstaben N V E überhaupt? Sie stehen als Abkürzung für das Schlagwort „Nummer der Versandeinheit“.

Im Englischen/internationalen Sprachgebrauch gibt es dafür den Begriff
„Serial Shipping Container Code“ mit der Abkürzung „SSCC“.

Wollen wir also den Begriff mit Leben füllen, um Ihnen zu zeigen, was Sie in ihrem Geschäftsalltag damit zu tun haben, oder wo Sie vielleicht in Zukunft damit in Berührung kommen werden.

Dafür lohnt sich zu Beginn ein Blick darauf, wie sich der Markt in dem Sie tätig sind verändert hat und welche Anforderungen damit auf Handelskonzerne, Einzelhändler, Lieferanten und Logistiker zukommen.

Vor diesem Hintergrund sind die folgenden Ausführungen besser nachvollziehbar und erscheinen vielleicht auch für die einleuchtend, denen sich die Notwendigkeit dieser Thematik bisher nicht erschlossen hat.

Jedes für sich betrachtet ist schon kompliziert genug. Für einen Lieferanten bedeutet dies aber mittlerweile, dass er, möchte er Kunden aus allen dieser Bereiche beliefern, auch deren Systeme beherrschen muss und den dortigen logistischen Herausforderungen gewachsen sein muss.

Zwei Dinge sind den Kunden dabei ganz grundlegend wichtig.

Die Frage, wann kommt meine Ware wo an? Und die Frage, welcher bestellte Artikel ist in welchem Paket, auf welcher Palette, oder allgemeiner ausgedrückt in welchem Packstück, welche Form dieses auch immer haben mag.

Wir möchten uns für die genauere Betrachtung der Thematik und die Beantwortung der beiden Fragen einen Bereich herausnehmen, da dieser von den Handelskonzernen zurzeit mit Nachdruck vorangetrieben wird, nämlich den Bereich Lagerbelieferung.

Konzerne und Handelsketten wie Edeka, Globus oder Metro oder im Baumarktbereich große Vertreter wie Hornbach oder Bauhaus verlangen von Ihren Lieferanten nach und nach zweierlei:

Den papierlosen Austausch Ihrer Belegdaten in einer standardisierten Form, hier hat sich im Handelssektor der Standard EDIFACT durchgesetzt, und innerhalb dieses Austausches die Sendung der Nachrichtenart DESADV, die elektronische Form der Lieferankündigung.

Mit diesen beiden „Werkzeugen“ erhalten die Konzerne nämlich genau die Informationen, die wir in den beiden Fragen genannt hatten.

Die DESADV-Nachricht, wird zwar oft der Einfachheit wegen als „elektronischer Lieferschein“ bezeichnet, genaugenommen ist sie es aber nicht. Sie ist die Lieferankündigung und muss, im Gegensatz zum Lieferschein, der der Ware beiliegt, vor Ankunft der Ware beim Kunden sein.
Die DESADV gibt also die Antwort auf die Frage „Wann kommt meine Ware wo an?“
Selbstverständlich werden damit noch mehr Fragen mitbeantwortet. Z.B. Wie viel Ware kommt, welchen Platz muss ich dafür bereithalten um sie einzulagern.

Aber nicht alle Fragen können mit der einfachen Form der DESADV beantwortet werden.

Habe ich Ware, die Mindesthaltbarkeitsdatum, Chargenpflicht oder Seriennummern haben, dann möchte ich zum Einlagern der Ware und für die daran anschließenden Prozesse wissen, welchen Artikel mit welcher Eigenschaft ich wohin platziere, um diesen auch eindeutig wieder zu finden.

Diese Informationen liefert das NVE-Etikett.

Und wie kommt das Etikett in die DESADV-Datei?

Im Grunde gar nicht, bzw. nur ein Teil davon, nämlich eben diese NVE, die Nummer der Versandeinheit. Sie ist eine 18-stellige Nummer, die ein Packstück eindeutig identifiziert.

Diese Nummer bildet die Verknüpfung zwischen Etikett auf dem physikalischen Packstück und der Packstückinformationen, die in der digitalen Datei vorhanden sind.

Gemeinsam bilden Sie die Informationsgrundlage für die Packstückidentifikation.

Kommt beispielsweise ein Logistiker mit dem LKW an einem Lager an und stellt Ware an die Rampe, so soll diese, nach Wunsch der Konzerne, ausreichend etikettiert sein. (Wie genau, das würde zu sehr ins Detail gehen, aber es macht z.B. einen Unterschied, ob ich sortenreine Packstücke habe, also nur einen Artikel pro Paket oder Palette, oder ob ich Mischkartons/-Paletten gepackt habe. Oder ob es z.B. sogenannte Sandwichpaletten sind) Der Lagerist kann nun die Etiketten abscannen und das System sollte dann, wiederum nach Wunsch des Kunden, eine DESADV-Datei finden, die zuvor, vom Lieferanten gesendet wurde.

Die eindeutige Verbindung zwischen Datei und Etikett ist die NVE und mittels derer ist nun ersichtliche welche Detailinformationen zu den Artikeln in diesem Packstück vorhanden sind und die Ware kann vereinnahmt und zum passenden Stellplatz gebracht werden.

So soll eine lückenlose Informationskette entstehen, die dafür notwendig ist, die logistischen und organisatorischen Anforderungen der Branche zu meistern.

Eine solche Menge an Artikeln, könnte niemals so schnell umgeschlagen werden, wenn nicht eine systemgesteuerte Vereinnahmung und eine digitalisierter und automatisierter Belegaustauch zu Grunde liegen würde.

Dieser Herausforderung müssen sich alle Lieferanten stellen, die in der Liga der großen Konzerne mitspielen möchten.
Die Konzerne sind es, die die Anforderungen diktieren und die die nötigen Druckmittel haben diese auch durchzusetzen.

Diese Druckmittel reichen vom Preisdiktat, über Androhung von Strafabzügen pro Rechnung, bis hin zur Auslistung, falls es einen Lieferanten gibt, der gleiche Qualität liefern kann aber die Anforderungen erfüllt.

Gerade die kleinen Lieferanten, und dazu zählt oft auch der Anwenderkreis der JTL Wawi, haben es dabei besonders schwer, da es gilt, die nicht unerheblichen Investitionskosten die die Einführung von EDI und NVE mit sich bringen, im Vergleich zu den oft nicht sehr großen Umsätzen zu betrachten, die mit einem Kunden erzielt werden, der den Austausch von EDI-Daten erwartet. Steht dies nicht offensichtlich im Kostennutzenverhältnis wird die Frage ob es sich lohnt den Schritt zu gehen, zu einer ganz umfassen zu betrachtenden. Gibt es weitere Kunden, die dies in Zukunft verlangen könnten? Investiere ich dann nicht vielleicht jetzt schon, um den bestehenden Kunden nicht zu verlieren, sehe den Invest aber nicht nur für den einen sondern als Zukunftsinvestition, um ganz allgemein konkurrenzfähig zu bleiben.

Denn eines ist unstrittig.

Beides wird ein großes Thema im Bereich Handel sein. Nicht nur im Lagergeschäft.
Welche Rolle es im Streckengeschäft und auf der Seite der Kunden, gerade auch im Zusammenhang mit der JTL WaWi spielt. Möchten wir in kürze in einem separaten Artikel betrachten.

Als Abschluss möchten wir noch einen Aspekt beleuchten, mit dem ein Lieferant konfrontiert sein wird, der sich für die Umsetzung von DESADV mit NVE entschieden hat.

Für Ihn wird es wichtig sein, sich innerhalb der internen Prozesse klar zu machen, an welcher Stelle am besten die NVE Erfassung stattfinden kann, um zu wissen, welche technischen Möglichkeiten man schaffen muss.

Wissen die Damen und Herren im Büro schon, wie die Ware später exakt gepackt wird? Dann könnten diese auch schon die NVE-Verteilung vornehmen.

Weiß es erst der Lagermitarbeiter, weil er beim Packen entscheidet, welchen Artikel er in den Karton legt, weil noch Platz ist und erst dann klar ist welche Ware in welchem Packstück ist? Dann muss dort eine NVE-Erfassung möglich sein.

Läuft es eventuell ganz anders und man hat einen externen Logistiker, bei dem die Ware gelagert ist und der sie auch liefert, dann muss man sich einen Vorgang überlegen, der von allen Seiten durchführbar ist.

Entweder der Logistiker schickt die NVE Informationen oder schreibt sie in eine Datenbank, dann kann der Lieferant sie dort abgreifen und seinen DESADV-Daten hinzufügen, oder der Lieferant schickt dem Logistiker eine INSDES (Auslagerungsanweisung) in der die Notwendigen Informationen für die DESADV schon enthalten sind und der Logistiger ergänzt die Daten dann selbstständig durch die NVE-Informationen und kann somit DESADV inkl. NVE senden.

Dieses Thema ist in vielen Fällen das wesentlich entscheidendere, als im Detail zu wissen wo ein Aufkleber hin muss, oder wie das Etikett oder die NVE-Nummer aufgebaut sein muss.
Das muss später auch korrekt sein, aber dafür sorgen dann gerne wir.
Da dürfen Sie als Anwender sich auf uns verlassen, dass wir das so konfigurieren, wie Ihr Kunde es erwartet.

Aber in die Organisation Ihres Unternehmens können und wollen wir nicht eingreifen, da haben Sie als Lieferant den Überblick und wissen selbst am besten an welcher Stelle Sie das Thema auf welche Art und Weise einplanen können, um dafür die nötigen technischen und organisatorischen Vorkehrungen zu treffen.

Wir stehen Ihnen dabei selbstverständlich beratend zu Seite und unterstützen Sie überall dort, wo uns dies möglich ist.

Welche Rolle das Thema DESADV und NVE bei Strecken- und Endkundenlieferungen spielt und welche Anforderungen an die WaWi es für die andere Seite, die Seite der Kunden hat wollen wir in Kürze in einem weiteren Artikel erörtern und freuen uns schon jetzt auf zahlreiche Leser.

Wir hoffen wir konnten nicht nur Ihr Interesse wecken, sondern auch hilfreiche Informationen zu diesem Thema liefern.

Bis zum nächsten Mal, Ihr TSSYard-Team.

Sie haben noch Fragen zu EDI, EDIFACT, DESADV, NVE/SSCC ?

Wie erwähnt, haben wir ganz bewusst darauf verzichtet zu sehr ins Detail zu gehen, was zum einen die Erklärungen des NVE-Aufbaus und der Etikette angeht, aber auch was die Zusammenhänge angeht.

  • Was hat die NVE mit der GLN zu tun? Welche Rolle spielt die GS1 dabei?
  • Welche verschiedenen Packarten und –formen bedingen welche Etiketten?
  • Welche Anforderungen haben meine Kunden zu diesem Thema?

Wenn Sie Fragen hierzu haben und ganz konkrete Informationen benötigen sprechen Sie uns gerne an oder schreiben Sie uns unter EDI@tssyard.de

NVE/SSCC und DESADV mit der JTL WaWi

Wir machen Urlaub.

19.12.2016 - 01.01.2017

Für unsere Support-Kunden sind wir von Montag bis Freitag zwischen 09.00 – 11.00 Uhr per E-Mail zu erreichen.

Wir wünschen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Ihr ShopYard24 Team